Phaeno zum Anfassen und Ritz-Carlton zum Schlafen

Pressereise/Werbung                                                                                                                                                      Wolfsburg war für mich bislang „nur“ eine Stadt an der ICE-Strecke Hannover und Berlin.  Natürlich kenne ich das VW-Werk, die Autostadt und den VFL. Aber deshalb in Wolfsburg den Zug zu verlassen kam mir nicht in den Sinn. Es brauchte erst die Einladung vom phaeno und dem Ritz-Carlton, um mit der ganzen Familie ein Wochenende in der Stadt zu verbringen. Und soviel kann ich schon vorweg nehmen: Wir sind begeistert und kommen definitiv wieder!

Warum sollte man unbedingt ein Wochenende nach Wolfsburg reisen?

An erster Stelle, weil die Stadt Wolfsburg vor über 15 Jahren so mutig war und das phaeno verwirklicht hat. Das phaeno ist kein Museum, nein! Es ist ein Science Center. Was das heißt? Schilder mit dem Satz: „Bitte nicht berühren“ gibt es nicht (okay, den Feuertornado sollte man jetzt nicht unbedingt berühren). Vielmehr lädt das phaeno mit seinen über 350 Exponaten aus Naturwissenschaft und Technik zum Anfassen und Austesten ein. Die Philosophie vom phaeno: „Wir wollen nicht erklären, wir wollen etwas zum Ausprobieren zur Verfügung stellen.“

Langeweile ist hier ein Fremdwort

Das ist den Macher*innen wirklich gelungen. Die Abendteuerlandschaft hat auf verschiedenene Ebenen und Räumen immer wieder Neues, Faszinierendes und Mitreißendes zu bieten. Langeweile kommt da definitiv nicht auf. Weder bei den Kindern noch bei mir als Vater (meine Frau als Biologie- und Chemielehrerin war sowieso an beiden Tagen im siebten Himmel).

Die Exponate sind für jedes Alter der Hammer. Obwohl ich selbst in Physik und Chemie nie eine große Leute war, faszinieren mich Naturwissenschaften. Eigentlich wollte ich ganz viele Fotos machen, um hier möglichst viele Exponaten vorzustellen. Die Experimentierlandschaft aus Kratern, Plateaus und Cones hat mir jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Nicht nur etwas für Kinder

Phaeno TüftelmäuseIch war selbst so mit Ausprobieren und Anfassen beschäftigt, da habe ich das Drücken des Auslösers oft einfach vergessen.

Wenn dann auch noch beide Elternteile von einem Wow-Moment zum nächsten wandern und der Entdeckergeist geweckt ist, verliert man gelegentlich seine Kinder aus den Augen. Jedenfalls ist uns das zwei Mal passiert. Wir haben unsere Töchter dann beide Male spielend bei den Tüftelmäusen wiedergefunden.

Glück gehabt! Was ich damit sagen will, bei den vielen Phänomenen, die es überall zu entdecken gibt, macht es Sinn sich als Eltern zu Beginn abzusprechen wer, wann, wie lange einen Blick auf die Kinder hat. Insbesondere gegen Mittag, wenn sich das Gebäude am Wochenende gut gefüllt hat, wird es vor lauter kleinen und großen Forscher*innen und Entdecker*innen etwas unübersichtlich.

Unsere persönlichen Highlights: ganz klar der Feuer- und der Nebeltornado.

In einem der mächtigen Cones (auf zehn dieser Betonkegel steht die gesamte Ausstellungshalle) ist der Feuertornado zu finden. Die Feuersäule ist mit ihrer Höhe von sechs Metern der größte künstliche Feuertornado in Europa. Sehr beeindruckend, auch wenn es anschließend heftig nach Paraffin riecht. Das hat meine Töchter nicht weiter gestört. Ich habe sie selten so andächtig und ruhig gesehen. Ich musste ihnen nachher allerdings den Wunsch abschlagen, dass wir doch einfach zu Hause auch mal so ein Feuerding machen könnten.

 

Ausprobieren Phaeno WolfsburgGanz ungefährlich, aber nicht weniger faszinierend, war für die Mädels der Nebeltornado. Aus der Grundplatte des Exponats tritt Nebel aus und wird durch vier Säulen und einem Ventilator nach oben gezogen bzw. gewirbelt. Die Tigerin und Lila konnten durch aktives Tun, z.B. indem sie sich mitten in die Windhose hineinstellten, den Tornado zum Einstürzen bringen. Ganz tolle Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

 

phaeno wolfsburgNeben dem Feuer- und den begehbaren Nebeltornadeo waren die 2- und 5-Jährige besonders von den Exponaten zu den physikalischen Gesetzten Auftrieb und Schwerkraft begeistert. Wie die Exponate alle hießen habe ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen. Es waren einfach zu viele und wir waren immer wieder von Neuen fasziniert und begeistert. Der Tigerin sind die Luftblasen in Erinnerung geblieben. Das Ausstellungsstück hat sie sich gleich zu Beginn ausgetestet. Sie freute sich, wenn viele kleine Luftblasen sich zu einer ganz großen zusammengeschlossen haben. Dass die große Blase dann schneller nach oben stieg, war ihr allerdings völlig egal.

Die aktuelle Sonderausstellung „Die Tüftelmäuse“

Ausprobieren PhaenoNeben der Dauerausstellung „Die Welt der Phänomene“ gibt es immer wieder Sonderausstellungen. Aktuell ist es (neben der Sonderausstellung „Zeit“) bis zum 02. Juni 2019 die Sonderausstellung „Die Tüftelmäuse“. Sie war der eigentliche Grund für unseren Besuch. Im Gegensatz zu der Dauerausstellung richtet sie sich speziell an Kinder von drei bis acht Jahren. Allerdings tummelte sich auch unsere Zweijährige mit großer Begeisterung zwischen den größeren Kindern.

Worum geht es bei den Tüftelmäusen?

Phaeno Tüftelmäsue WolfsburgDie fünf Tüftelmäuse Lenz, Kunz, Zora, Zita und Strizzi leben auf einem Dachboden. Sie haben dort in vielen kleinen Räumen aus Alltagsgegenständen Mitmachstationen für Kinder gebaut. Mit ihrem Einfallsreichtum setzen die jungen Besucher*innen die kleinen Maschinen in Bewegung. So hat meine 2-Jährige mit aller Kraft versucht mit einem Dreirad einen Film abspielen zu lassen. Allerdings waren ihre Beine leider noch etwas kurz. Ihr war es egal, sie hatte trotzdem ihren Spaß.

Auf dem phantastischen Dachboden wurden meine Mädels mit Hilfe der Mäuse zu Forscherinnen, Erfinderinnen und Bastlerinnen. Sie haben Windräder und kleine Flugobjekte gebaut, die sie anschließend im Windkanal steigen ließen. Das Tolle an der Ausstellung „Die Tüftelmäuse“ war, dass wir Eltern unsere Kinder einfach machen lassen konnten. Vieles erklärte sich von selbst oder die beiden Schwestern konnten es durch einfaches Ausprobieren herausfinden.

Techniklap phaenoSpäter ging es für die Große noch in die Technikwerkstatt. Gemeinsam haben wir einen Flipper gebaut. Oder besser gesagt, sie hat gebaut, ich durfte die Materialen zusammensuchen. Jetzt steht das gute Stück in ihrem Zimmer und ab und an spielen wir eine Runde zusammen.

 

Das Gebäude

phaeno wolfsburgMan muss sich in Wolfsburg nicht auskennen um das phaeno zu finden. Erstens liegt es wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt und zweitens ist die Architektur des Science Center so spektakulär (für die britische Zeitschrift „the guardian“ gehört das phaeno zu den 12 bedeutendsten Bauwerken der Moderne), da muss man schon Tomaten auf den Augen haben, um am phaeno vorbei zu laufen.

 

Die Besonderheiten

EntworfTüftelmäuse Phaeno Wolfsburgen wurde das phaeno von der irakischen Architektin Zaha Hadid. Sie hat ein freistehendes Gebäude erschaffen, das auf 10 riesigen Cones steht. Ein Großteil des Gebäudes besteht aus Beton. Und zwar aus ganz besonderen Beton. Dieser „Selbstverdichtende Beton“ wurde speziell für das phaeno entwickelt. Wenn man mit der Hand über die Wände streicht, merkt man den Unterschied. Er fühlt sich mehr nach warmem Holz als nach klassischem kaltem Beton an. Mich hat das Gebäude von innen wie auch von außen sehr beeindruckt.

Tipps für den Besuch im phaeno

Um das phaeno ganz in Ruhe zu erkunden sollte man einen ganzen Tag einplanen. Selbst dann hat man noch nicht alles gesehen, geschweige denn alles selbst ausprobiert. Die Ausstellungsräume sind – wenn die Ausstellung gut besucht ist – ziemlich laut. Daher zwischendurch Pausen einplanen. Es gibt eine große Cafeteria und bei den Garderobenboxen befinden sich Sitzgelegenheiten.

Fazit

SchwerkraftDas phaeno hat seinen Namen mehr als verdient. Das Gebäude, die Exponate und die Mitarbeiter*innen sind phänomenal. Von der ersten Minute an hatten wir Spaß, wurden wunderbar betreut und konnten viel ausprobieren und austesten.

Für unsere Mädchen war das phaeno ein großer Spielplatz. Selbst mit zwei Jahren lohnt sich schon ein Besuch. Und für uns steht fest: Wir kommen wieder.

Eine Nacht im Ritz-Carlton

Ritz-Carlton Wolfsburg

Neben dem phaeno gibt es einen weiteren Grund, warum man seine Reise zwischen Hannover und Berlin in Wolfsburg unterbrechen sollte (wenn man das nötige Kleingeld hat): Das 5-Sterne-Hotel Ritz-Carlton. Bislang haben wir als Familie mit unseren Kindern noch nicht in einem fünf-Sterne-Hotel übernachtet. Fünf Sterne verbinde ich nicht gleich mit Lautstärke, Herumtollen und Kinderfreundlichkeit. Da lag ich aber ziemlich daneben. Schon beim Einchecken wurden die Kinder seh freundlich angesprochen. Die Mitarbeiterin kniete sich vor den Mädchen auf Augenhöhe und überreichte ihnen ein kleines Willkommenspaket. Die Schwestern waren begeistert. Diese kinderfreundliche Atmosphäre zog sich durch beide Tage. Egal wo wir hinkamen, die Kinder fühlten sich immer wie kleine Stars.

Die Zimmer sind grandios. Viel Platz (u.a. ein riesiges Badezimmer), ein toller Ausblick auf die Autostadt und ungelogen die beste Matratze, auf der ich je geschlafen habe.  Leider sind wir mit der Bahn angereist, ansonsten hätte ich glatt die Matratze mitgenommen 😉

 

Ritz Kids

Für die Mädels gab es extra Betten und einen süßen Willkommensgruß. Die Speckmäuse haben ganze drei Minuten überlebt. Lila war sehr von dem Kinder-Bademantel und den kleinen rosa Hausschuhen begeistert. Durch die Ritz Kids-Schnitzeljagt konnten die beiden spielerisch das Hotel erkundet. Generell ist das Ritz Kids Programm ein Angebot für Familien mit Kindern bis 12 Jahren.

 

Über eine Sache habe ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Das Ritz-Carlton befindet sich mitten in der Autostadt. Jetzt, nach dem Wochenende in Wolfsburg, habe ich ein Problem. Meine Mädels sind in ein Auto verliebt. Besser gesagt in eine Autofarbe. Hoffentlich ist diese Liebe nicht von Dauer 😉

 

 

Zum guten Schluss …

Ritz-CarltonEs war ein super Bloggerevent. Vielen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom phaeno und vom Ritz-Carlton. Wir haben uns bei Ihnen sehr, sehr wohl gefühlt. Vielen Dank für Alles! Und woran kann man erkennen, dass es wirklich allen gefallen hat? An zwei fünfjährige Mädchen, die sich Dank der tollen zwei Tage angefreundet haben. Bloggen verbindet 🙂

 

 

Und damit ihr, liebe Leserinnen und Leser, die bis zum Schluss durchgehalten haben, euch auch mal ein Bild vom phaeno machen könnt, verlose ich zwei Familieneintrittskarten (2 Erwachsene plus 2 Kinder) für das Science Center. Hinterlasst einfach bis zum Samstag, den 20. Oktober 2018 einen Kommentar unter diesem Beitrag und ihr seid im Lostopf. Die Gewinnerinnen bzw. die Gewinner werden am 21. Oktober ausgelost und per Mail benachrichtigt. Viel Glück! Es lohnt sich! 🙂

Elternzeitgeschichten – Mein persönlicher Rückblick auf 2×18 Monate Elternzeit

Papa in Elternzeit

Seit ein paar Tagen ist sie nun vorbei, meine zweite Elternzeit. 18 Monate war ich (wie bei meiner großen Tochter) in Elternzeit. Was ich in den Monaten erlebt habe, wie sich meine Beziehung zu meiner Frau durch die Elternzeit verändert hat, warum wir die Betreuungszeiten aufgeteilt haben, wie sehr ich die Wichtigkeit einer festen Tagesstruktur unterschätzt habe, wie mein Arbeitgeber auf meinen Antrag auf Elternzeit reagierte und worauf ich bei der ersten Elternzeit lange warten musste, darum geht es in meinem Blogbeitrag für die Blogparade „#Elternzeitgeschichten“, zu der „Provinzmutti“ aufgerufen hat.

Wie waren sie, meine beiden Elternzeiten?

Ich bin Vater von zwei Töchter, dem Tiger *2013 und von Lila *2016. Bei beiden Kindern haben ich jeweils 18 Monate Elternzeit genommen.  Schon vor der Geburt unserer ersten Tochter war uns (werdenden) Eltern klar, die Elternzeit teilen wir auf. Ich wollte mehr als nur die sogenannten Vätermonate nehmen und meine Frau wollte nicht zu lange im Job fehlen. Ein weiteres wichtiges Argument: meine Frau ist bei uns die Top-Verdienerin.

In den Monaten vor den Geburten haben wir intensiv überlegt, welche Aufteilung für unsere Kinder und uns am besten ist. Letztendlich haben wir bei beiden Kindern ähnlich entschieden: meine Frau ist die ersten acht und ich die darauffolgenden 18 Monate in Elternzeit gegangen. Der einzige Unterschied: beim Tiger haben wir einen Monat überlappend Elternzeit genommen. Dies war aus organisatorischen Gründen bei Lila leider nicht möglich. Der gemeinsame Monat war wunderbar. Nicht nur wegen der Übergabe des Staffelstabs.

Sich selbst zu vertreten muss gut überlegt sein

Bei beiden Kindern habe ich jeweils sechs Monate Elterngeld bezogen, beim Tiger habe ich mich in diesen Monaten mit fünf Stunden selbst vertreten. Klingt etwas komisch, heißt aber wirklich so. Ganz ohne Job zu sein konnte ich mir vor der ersten Geburt nicht vorstellen. Ich hatte Angst, mir würde die Decke auf den Kopf fallen.

Im Nachhinein waren die Stunden Selbstvertretung eine blöde Idee. Auch wenn es nur fünf Stunden waren, der Organisationsaufwand war ziemlich hoch. Und netto blieben am Ende gerade mal 6 Euro pro Stunde übrig. Der Rest wurde dem Elterngeld angerechnet. Das mag sich ja mit der Einführung vom Elterngeldplus inzwischen verändert haben aber für mich war in der zweiten Elternzeit klar, die ersten sechs Monate bleibe ich komplett zu Hause. Diese besondere Zeit geht so schnell vorbei, die wollte ich mit meiner Tochter genießen.

Das komische Konstrukt mit den vier Bonusmonaten Elterngeldplus

Wir hatten uns 2016 über die Bonusmonate für das Elterngeldplus informiert. Aber richtig schlau wurden wir auf den einschlägigen Internetseiten nicht. Was wir verstanden haben: um einen Anspruch auf die Bonusmonate zu erhalten, müssen BEIDE Eltern vier Monate jeweils zwischen 25 – 30 Stunden/Woche arbeiten. Dann hat man einen Anspruch auf vier weitere Monate Elterngeldplus. Aber das heißt, insgesamt sind beide Eltern vier Monate lang zusammen mindestens 50 Stunden in der Woche im Job. Hinzu kommen noch die anfallenden Fahrwege. Wie soll das gehen? Wer kann seinen Job so flexibel einteilen, dass sein Kind immer betreut ist? Welcher Arbeitgeber spielt da mit? Beispiele aus der Praxis wurden damals auf der Website Elterngeld-plus interessanter Weise nicht vorgestellt. Warum wohl nicht 😉 Daher würde mich interessieren, welche Eltern überhaupt jemals den kompletten Elterngeldplus-Bonus erhalten haben. „Normale“ berufstätige Eltern jedenfalls haben nach meinen Berechnungen keine Chance, außer sie haben bereits andere Betreuungssysteme im Hintergrund (bereits einen Kitaplatz, Tagesmutter oder die Großeltern).

Teilzeit im zweiten Jahr

Wir hatten Glück und haben für beide Kinder jeweils nach einem Jahr einen Kitaplatz bekommen. Dadurch konnte ich noch in meiner Elternzeit die Kita-Eingewöhnung begleiten und anschießend wieder in meinen Job einsteigen. In beiden Elternzeiten habe ich mich im zweiten Jahr selbst vertreten. Beim Tiger waren es die maximal erlaubten 30 Stunden, bei Lila hingegen „nur“ noch 24 Stunden. Jetzt, nach Ablauf meiner zweiten Elternzeit, habe ich meine Arbeitsstunden langfristig auf 24 Stunden reduziert. Meine Frau arbeitet dafür in Vollzeit.

Auch von Interesse? Meinen Beitrag zu „Fünf gute Gründe für Papa-Elternzeit“ findest du hier

Warum überhaupt Elternzeit nehmen, wenn ich doch eh wieder arbeite, wurde ich oft gefragt. Auf der einen Seite wollten wir auf Nummer sicher gehen: Sollte die Eingewöhnung nicht klappen oder sonst irgendetwas sein, hätte ich notfalls das zweite Jahr ganz zu Hause bleiben können, ohne meinen Dienstvertrag ändern zu müssen. Und für die Rente (sollte es für uns später überhaupt noch eine geben) hat es finanzielle Vorteile, wenn man zwar Elternzeit nimmt aber in den Monaten Teilzeit arbeitet. Allerdings benötigt man dafür ein Gespräch bei der Rentenkasse, da automatisch die Mütter als Anspruchsberechtigte im Rentenbescheid geführt werden. Also, liebe Väter in Elternzeit plus Teilzeit schaut mal in eure Rentenbescheide nach, wem von euch Eltern die Kindererziehung für die Rente angerechnet wird.

Aus Planung wird Ernst

Zurück zu meinen Elternzeiten. Auf beide habe ich mich im Vorfeld sehr gefreut und konnte den Beginn kaum abwarten. Hier möchte ich den Start meiner ersten Elternzeit hervorheben, da ich damals noch überhaupt nicht wusste, was alles auf mich zukommen würde. Klar war ich seit der Geburt unserer Tochter aktiv in die Betreuung und Versorgung eingebunden. Aber so ganz alleine, die volle Verantwortung für die kleine Maus? Ganze neun Stunden am Tag? Fünf Tage die Woche? Was, wenn meine Tochter nur noch schreit und ich sie nicht beruhigen kann? Welche Salbe war noch einmal wofür? Was mache ich, wenn der Tiger plötzlich krank wird? Hoffentlich fällt sie mir nicht vom Wickeltisch! Und was muss ich meiner Tochter im April alles anziehen, wenn wir nach draußen wollen?

Wie verbringe ich in meiner Elternzeit bloß den Tag?

Direkt am ersten Tag meiner alleinigen Elternzeit musste ich feststellen, trotz gemeinsamer vierwöchiger Übergangszeit kam es zu deutlichen Wissenslücken. Aber nicht nur das. Auch die Zeit wurde lang. Meine Frau hatte in ihrer Elternzeit einen Pekip-Kurs und einen Babyschwimmkurs besucht, die Hebamme kam regelmäßig und fast jede Woche traf sie ihre Mädels vom Geburtsvorbereitungskurs. Und ich? Ich hatte eigentlich nichts. Zum Pekip-Kurs wollte ich nicht, die Väter vom Geburtsvorbereitungskurs hatte ich nur einmal für zwei Stunden gesehen, blieb noch das Babyschwimmen. Ich bin nicht so der Warmbader, deshalb habe ich den Kurs nur zögernd übernommen. Aber schon das erste Mal im Wasser war der Hammer. Nicht nur, dass meine Tochter vom Wasser total begeistert war, es waren auch ein paar andere Papas mit ihren Kindern im Kurs. Ab da war der Dienstagvormittag geblockt.

Wie wichtig eine Tagesstruktur ist, das war mir vor der Elternzeit absolut nicht klar. Bei gutem Wetter war noch alles okay, wir sind einfach raus in den Garten, haben stundenlang auf der Decke Robben und Krabbeln geübt. Aber bei Regen? Den ganzen Tag im Haus? Das fand ich wirklich anstrengend. Aus diesem Grund habe ich auch nach der ersten Elternzeit zusammen mit zwei Kollegen beruflich einen Vätertreff, die Papazeit, gegründet.

Papazeit – ein Vätertreff in Münster

Seit gut zwei Jahren gibt es den Vätertreff nun. In meiner zweiten Elternzeit bin ich privat als Papa mit Lila jeden Mittwoch zur Papazeit gefahren. Und wer heute noch glaubt, Männer können nicht reden, der sollte mal zu uns nach Münster kommen. Die Tonlage ist etwas tiefer als bei den Müttertreffs aber ansonsten wird dort genauso gequatscht, Fragen gestellt, Antworten gegeben, mit den Kindern gespielt und gelacht.

Tatsächlich war die Tagesstruktur in meiner zweiten Elternzeit gar kein Problem. Nicht unbedingt, weil ich jetzt der Strukturprofi geworden war, nein! Vielmehr gab die Kita den Takt vor. Bis neun Uhr musste der Tiger in die Kita sein. Lag ich mit ihr damals noch stundenlang im Bett, hieß es jetzt gegen sieben Uhr aufstehen, beide Kinder anziehen, Frühstück machen und den Tiger zur Kita bringen. Ganz ehrlich, die entspannte Zeit am Morgen in der ersten Elternzeit habe ich beim zweiten Durchlauf oft vermisst.

Im Antragsdschungel – oder einfach kann jeder

Meine Elternzeit habe ich drei Monate im Voraus beantragt. Im Vorfeld hatte ich meinen Chef schon über meinen Elternzeitantrag informiert. Damals hat er mit den Worten reagiert: „Wenn das bei uns nicht geht, wo dann?“ Überhaupt habe ich im Team nur positive Rückmeldung erhalten. Schwieriger wurde es mit der Verwaltung. Ich war bei uns scheinbar die erste Person überhaupt, die sich in ihrer Elternzeit selbst vertreten wollte. Anders kann ich mir das ganze Durcheinander nicht erklären. Erst hieß es, ich müsste mich in meiner Elternzeit neu krankenversichern, da ich ja einen neuen Dienstvertrag über fünf Stunden erhalten würde. Dann wollte die Elterngeldkasse meinen genauen Stundenlohn wissen, was meinem Personalbüro aber nicht ganz so leicht viel. Jedenfalls hat es bei mir fast drei Monate gedauert, bis mein erstes Elterngeld auf meinem Konto war. Bis dahin musste ich meine vorlaufenden Ausgaben von meinem Ersparten bestreiten. Meiner Frau erging es übrigens bei der zweiten Elternzeit ähnlich. Da war ihre Ansprechperson erst länger erkrankt und hatte anschließend länger Urlaub. Erst durch telefonischen Druck erklärte sich ein Kollege bereit, den Antrag meiner Frau zu bearbeiten. Ob den Mitarbeiter*innen in den zuständigen Ämtern klar ist, in welche finanzielle Not sie Familien bringen können, wenn sie die Anträge – warum auch immer – nicht rechtzeitig bearbeiten?

Persönlich frage ich mich schon länger, ob ein pauschaler Elterngeldbetrag von z.B. 1600 Euro dem Staat und somit dem Steuerzahler nicht genauso viel kosten würde, wie aktuell der finanzielle Verwaltungsaufwand plus die Kosten für das Elterngeld.

Highlights meiner Elternzeit

Die Gesellschaft ist noch nicht auf Väter in Elternzeit eingestellt. Noch sind wir Exoten, jedenfalls die Väter, deren Frauen/Partnerinnen wieder arbeiten und daher die Verantwortung für ihr Kind tagsüber alleine übernehmen. Ich habe dazu schon an der ein oder anderen Stelle auf meinem Blog etwas geschrieben. Mein Lieblingsbeispiel ist immer der Kinderarzt im Kindernotdienst Münster. Ich war für ihn absolute Luft, gesprochen hat er nur mit meiner Frau. Mein Lieblingsausschnitt: Arzt: „Wie schwer ist denn ihre Tochter?“ Ich: „12,8kg.“ Meine Frau „Ich weiß es nicht.“ Arzt: „dann wiegen wir mal lieber.“ Unsere Tochter wird gewogen. Arzt: „13kg, wie gut das wir gewogen haben!“

Anderes Beispiel: Ich bin mit zwei befreundeten Müttern in einem Cafe und muss meine Tochter wickeln. Der Wickeltisch war auf der Damentoilette. Das wusste ich schon, deshalb bin ich einfach in die Damentoilette reingestiefelt. Am Waschbecken steht eine ältere Dame: „Können Sie nicht lesen?“ raunzt sie mich an. Ich: „Doch, aber meine Tochter hat die Windel voll und der Wickeltisch ist nun mal in der Damentoilette.“ „Dann kann doch ihre Frau wickeln.“ Ich: „Das ist schlecht, die ist den ganzen Tag über arbeiten.“ Darauf sagte die Dame nichts mehr und verließ schnell den Raum.

Ähnliches gilt für Besuche im Supermarkt. Wie oft wurde ich angesprochen, ob ich denn ganz alleine mit meiner süßen Tochter einkaufen sei. Gerade für viele ältere Frauen war ich der Held, obwohl ich nur einkaufen war. So wie hunderttausende Mütter und Väter es Tag für Tag auch machen. Die Väter vielleicht nicht immer morgens um halb zehn. Ich konnte damals und kann auch heute nichts heldenhaftes daran erkennen, wenn der Papa mit seinen Kindern einkaufen geht. Ich muss aber gestehen, dass Einkaufen nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt.

Das waren jetzt ein paar ausgewählte Negativ-Highlights. Es gab auch viele schöne und positive Erlebnisse.

Das Beste zum Schluss

Dank meinen beiden Elternzeiten konnte ich den Alltag mit meinen Kindern erleben. Ich bekam mit, wenn ein neuer Zahn in Anmarsch war, konnte sie trotz Babysprache so gut wie immer verstehen und war bei beiden Töchtern live dabei, als sie ihre ersten Schritte machten. Ich konnte ohne viel Zeitstress mit meinen Töchtern spielen, den Tiger zu ihrem ersten Kindergeburtstag begleiten und Lila nachwinken, als sie das erste Mal den ganzen Tag ohne mich in der Kita blieb.

Durch meine Elternzeit habe ich auch gelernt dankbar zu sein. Ich habe eine tolle Frau, die für die Familie Vollzeit arbeiten geht und mir dadurch ermöglicht viel Zeit mit unseren Töchtern zu verbringen.

Verständnis füreinander

Ich bin jetzt „Mütterversteher“ und meine Frau begreift jetzt Väter. Was ich damit meine? In den ersten acht Monaten kam ich abends teilweise müde aus dem Büro und meine Frau hat nur darauf gewartet, dass ich mich sofort um unsere Tochter kümmere, wenn der Tag für sie mal wieder stressig war. Ich hingegen wollte erst einmal in Ruhe zu Hause ankommen und etwas durchatmen.

Als ich in Elternzeit war, ging uns beiden ein „Licht“ auf. Meine Frau als Workingmom konnte jetzt gut nachvollziehen, warum ich noch ein paar Minuten haben wollte, wenn ich abends von der Arbeit nach Hause kam. Ich als Daddyathome wiederrum merkte wie froh ich war, wenn sich der Schlüssel im Schloss drehte und ich meiner Frau nach Hause kam. Oft hätte ich ihr am liebsten schon auf der Türschwelle unsere Tochter übergeben.

Seit unseren beider Elternzeiten haben wir viel Verständnis für die jeweilige Situation des Gegenübers. Was überhaupt nicht heißen soll, dass wir nicht auch mal heftig aneinandergeraten. Das Gefühl, ich brauche jetzt mal Zeit für mich, kann weder Mann noch Frau so einfach zur Seite schieben. Unser Vorteil: wir kennen beide Rollen. Vielleicht fällt es uns deshalb leichter, über unsere Bedürnfisse zu sprechen und eine gute Regelung auszuhandeln. Denn das ist die zweite wichtige Erkenntnis meiner Elternzeit: uns als Eltern und als Paar geht es nur dann gut, wenn wir miteinander reden und Missverständnisse und negative Gefühle ansprechen.

Und noch eine Sache ist mir wichtig: Durch die Elternzeit ist mein Selbstbewusstsein deutlich gewachsen. So viele unvorhersehbare Krisen und Gefahren, die ich gemeinsam mit meinen Töchtern erfolgreich gemeistert habe. Soll heißen: Elternzeit fördert das eigene Selbstbewusstein und der Satz: „Ich schaffe das!“ gehört jetzt fest zu meinem eigenen Selbstverständnis.

Kinderfotos im Netz

Kinderfotos im Netz

Schau-hin.info hat zur Blogparade „Kinderfotos im Netz“ aufgerufen. Ein Thema, mit dem ich mich privat als auch beruflich seit Jahren auseinandersetze. Die Frage, wieviel Kind zeige ich auf meinen Fotos, kennen vermutlich viele Familienblogger*innen. Ich persönlich bin kein Freund von Emojis, um Kindergesichter zu verdecken. Auch Verpixeln ist nicht so mein Ding. Ich habe mich dafür entschieden meine Kinder von der Seite oder von hinten zu zeigen.

Wie sich die Zeiten ändern – vom Paulus zum Saulus

Wer mich kennt wird eventuell irritiert sein. Noch vor zwei Jahren war ich strickt gegen jegliche Veröffentlichung von Kinderbildern. Damals habe ich kein einziges Kinderbild über Whats App an die Familie und Freunde verschickt. Zu dem Zeitpunkt war Whats App noch nicht verschlüsselt. Wer Bilder meiner Töchter sehen wollte, musste sich bei Threema anmelden. Und heute? Seit knapp 1,5 Jahren bin ich nun Familien- bzw. Papablogger. Mit den dazugehörigen Social-Media-Kanälen. Und dort gehört (für mich) das regelmäßige Posten von Bildern meiner Kinder und/oder mir dazu.

Warum poste ich überhaupt Bilder meiner Kinder?

Ich bin gerne Vater. Extrem gerne. Für mich heißt Vater sein nicht nur ab und an Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Ich möchte sie aktiv in ihrem Alltag begleiten, eine tragfähige Bindung zu ihnen aufbauen, für sie da sein, wenn sie mich brauchen und die Erziehungs- und Haushaltsaufgaben mit meiner Frau teilen. Auch wenn es mehr und mehr aktive Väter gibt, sind wir (nach meinem Gefühl) noch in der Minderheit. Ich möchte mit meinen Bildern und Blogbeiträgen aus Papa-Sicht zeigen, wie schön und lohnenswert die Vaterrolle ist.

Ich bin der festen Überzeugung: Väter können alles, außer stillen. Um mein Leben als Papa deutlich zu machen, braucht es Texte und Bilder. Alltagsbilder als Papa. Daher auch mein Name: Mannpluskind.de. Ohne Kind wäre ich „nur“ Mann. Vater bin ich erst seit dem Tag, an dem meine älteste Tochter das Licht der Welt erblickt hat.

Seitdem zeige ich Bilder aus meinem Alltag als Vater. Bilder von mir und meinen Kindern und auch nur Kinderbilder. Bilder die zeigen, wie wunderbar es ist, seine Kinder im Alltag zu begleiten. Deshalb zeige ich Kinderfotos im Netz.

Kind putzt Zähne mit Papa

Kinderfotos im Netz

Kinderfotos im Netz

Nein sagen - Grenzen setzen

Wir alle haben die gleichen Persönlichkeitsrechte

Ich bin Vorbild für meine Kinder, das ist mir sehr bewusst. Und ja, meine Kinder haben die gleichen Persönlichkeitsrechte wie meine Frau oder ich. Um meinen Kindern später zu zeigen, welche Bilder und Informationen ich von ihnen gepostet habe, gibt es für beide Kinder jeweils eine Erinnerungskiste. Jedes Bild, jedes Video, jeder TV-Beitrag oder jeder Zeitungsartikel, welcher/s veröffentlicht wird, kommt in die jeweilige Kiste. Wenn Lila und der Tiger alt genug sind, werde ich meinen Töchtern die Kisten geben. Wie sie auf meine Beiträge und Posts dann reagieren, kann ich heute noch nicht sagen. Ist aber auch egal, sie haben ein Recht zu wissen was ich über sie in der virtuellen als auch in der analogen Welt verbreitet habe.

Auf meinem Blog sind so gut wie keine Bilder von meinen Kindern zu sehen. Ganz anders sieht es in den sozialen Medien aus, insbesondere bei Instagram. Ich verstehe mich als Familienblogger und da „gehören“ Bilder von meinen Kindern und/oder von mir dazu. Das ist  jedenfalls meine Meinung. Aus allen Bildern, die ich bei Instagram poste, gestalte ich einmal im Jahr ein Fotoalbum. Die Alben kommen ebenfalls in die Erinnerungskisten meiner Töchter.

Was tue ich vor der Veröffentlichung?

Jedes Bild, auf dem meine Töchter irgendwie zu sehen sind, zeige ich vorher meiner Frau und meinen Kindern. Klar, Lila ist erst zwei und der Tiger erst 4,5 Jahre alt. Sie verstehen noch nicht, was es bedeutet, dass „ihre“ Bilder ins Netz gestellt werden. Dennoch haben sie eine Meinung. Der Tiger fand bislang zwei Bilder nicht schön. Die habe ich selbstverständlich auch nicht gepostet.

Ich nehme mir Zeit

Selten kommt es vor, dass ich fotografiere und das Bild direkt poste. Meistens sind die Bilder ein, zwei oder drei Tage alt. Bevor ich ein Bild poste überlege ich:

  • Wenn ich als Kind auf dem Foto wäre, würde ich die Veröffentlichung gut finden?
  • Wie stehen die Chancen, dass meine Kinder das Bild in ein paar Jahren peinlich, doof etc. finden?
  • Könnte der Text zum Bild für meine Kinder peinlich oder unangenehm sein bzw. werden?
  • Welche Aussage hat das Bild?
  • Verzichte ich auf personenbezogene Daten?

Umgang mit den Bildern meiner Kinder

Ich hoffe meine Kinder bekommen mit, dass ich nicht leichtfertig Bilder und Texte von ihnen poste und mich intensiv mit ihren Persönlichkeitsrechten beschäftige. Für den ein oder anderen mag mein Umgang mit den Persönlichkeitsrechten meiner Kinder nicht okay sein. Bei dem Thema wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Ich trage die Verantwortung für die Bilder, die von meinen Kindern im Netz zu finden sind. Und es ist und bleibt ein Spannungsfeld, in dem ich mich bewege. Man könnte auch von einem Drahtseilakt sprechen. Mir ist auch völlig klar, dass ich direkt nach dem Posten die Kontrolle über mein Bild verliere. Ob jemand das Bild speichert oder für andere Zwecke missbraucht kann ich nach der Veröffentlichung nicht mehr beeinflussen.

Gestern bin ich alle meine Bilder bei Instagram noch einmal durchgegangen. Immer mit der Frage: Wieviel Gesicht ist okay? Fünf Bilder habe ich daraufhin noch nachträglich gelöscht. Aber knapp vierhundert Bilder habe ich auch auf meinem Account belassen.

 

Gedanken zum Thema „Kinder unter drei und Medien“ findest du hier

Voll analog und doch nicht doof – Kinder und Medien Teil 1

Bunter Stapelturm umgefallen

In regelmäßigen Abständen liegen Prospekte mit Kinderspielzeug in unserem Briefkasten. Geht es nach der Spielzeugindustrie dann wünschen sich schon Babys einen Lerncomputer oder ein erstes Smartphone. Und die lieben Kleinen sollen ja nicht mit den Geräten daddeln oder so, nein sie fördern die kindliche Entwicklung und sind deshalb pädagogisch wertvoll! Behauptet jedenfalls die Werbeindustrie. Welche Eltern sagen da noch nein, wenn es doch um die optimale Förderung ihrer Kinder geht. Bloß nicht, dass die lieben Kleinen den Anschluss verpassen.

Aber ist das wirklich so? Brauchen schon Wickelkinder ein Tablet auf dem Schoß oder ein Smartphone in der Hand? Und was hat das Ganze mit uns Eltern zu tun? Darum geht es in meiner mehrteiligen Themenreihe Kinder und Medien, die heute startet.

Schön der Reihe nach!

Alle reden von Medienkompetenz. Kinder sollen und müssen eine eigene Handlungskompetenz im Umgang mit den digitalen Medien erlangen. Stimmt! Aber müssen Kinder unter drei unbedingt schon digitale Kompetenzen entwickeln? Nein! Für sie geht es eigentlich um etwas ganz anderes – um die Entwicklung ihrer eigenen „analogen“ Kompetenzen.

Beispiel: Wir Eltern füttern unsere neugeborenen Kinder nach der Geburt ja auch nicht gleich mit Chilli con Carne. Nein, natürlich nicht! Vielmehr werden unsere Kinder zu Beginn gestillt oder bekommen die Flasche. Erst nach Monaten oder gar Jahren wird ihr Verdauungssystem ganz behutsam an Gemüse, Obst, Fleisch und Gewürze gewöhnt.

Oder ein anderes Beispiel: Kein Mensch käme auf die Idee, seiner zweijährigen Tochter den Autoschlüssel in die Hand zu drücken, ihr beim Anschnallen zu helfen und der jungen Autofahrerin noch ein „Aber bitte nicht so schnell!“ hinterher zu rufen. Nein, vorher gibt es noch ein paar andere Fahrzeuge, mit denen Kindern die sichere Teilnahme am Straßenverkehr erlernen müssen.

Keine digitalen Medien unter Drei*

Was ich damit sagen will, in den ersten drei Lebensjahre brauchen Kinder noch keine digitalen Medien. Warum? Kinder müssen ganz in Ruhe eine Vielzahl sensomotorischer Erfahrungen sammeln, damit sie später das Tablet oder Smartphone „gesund“ nutzen können.

*Für mich gibt es ein paar Ausnahmen: wenn via Skype/Facetime Kontakt zu wichtigen Beziehungspersonen gehalten wird, wenn Familien gemeinsam Fotos anschauen und/oder wenn Eltern ihren Kindern E-Bilderbücher via Smartphone/Tablet vorlesen. Dann sage ich gerne  ja zu Bildschirmmedien unter Drei.

Fragt man übrigens Entwicklungspsychologen und Medienpädagogen, dann hört man ganz unterschiedliche Einschätzungen ab wann Kinder überhaupt digitale Medien nutzen sollten. Reden die Medienpädagogen vom sogenannten Kindergartenalter (ab drei Jahre), sprechen die führenden Entwicklungspsychologen von Mitte der Grundschule. Aber bei einer Aussage sind sie alle einer Meinung: keine digitalen Medien unter drei.

Die Wichtigkeit der sensomotorischen Entwicklung bei Kindern unter Drei

Zurück zu den senomotorischen Erfahrungen. Babys und Kleinkinder begreifen ihre Welt durch Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten und durch den Dreh-, Schwerkraft- und Eigenbewegungssinn.

Wie sich ein Waschlappen anfühlt, ein Holzstück schmeckt, ein Schafsfell riecht, welche Geräusche eine Rassel von sich gibt, alles vielfältige Sinneserfahrungen, die sich sofort im Gehirn nieder schlagen.

Das Gleiche gilt für Bewegungserfahrungen. Wenn ich meine Hand öffne, fällt der Inhalt einfach zu Boden, ich muss nichts weiter dafür tun. Oder wenn ich einen Gegenstand greifen möchte, der auf der anderen Seite des Raumes liegt, muss ich meinen Körper bewegen können, egal ob durch Robben, Rutschen, Krabbeln oder Laufen.

Das Material für diese Lernerfahrungen muss noch nicht mal pädagogisch wertvoll sein. Ob Schwamm, Klopapierrolle,  Tuperdose, Kochlöffel, Luftballon, Wollknäuel, Feder, Knisterpapier, Rasierschaum in der Badewanne oder Joghurtbecher, die man stapeln kann. Alles wunderbare Materialen zum Begreifen der Welt.

Nehmen wir mal den Rasierschaum in der Badewanne. Wie sich der Schaum anfühlt, so schön schmierig und glitschig, wie soll das ein Youtube-Video auf dem Smartphone oder Tablet simulieren? Keine Chance. Diese Sinneserfahrung kann man nicht digital erfahrbar machen (jedenfalls heute noch nicht 😉 ).

Aber genau Dank solcher Erlebnisse lernen Kinder die vielfältigen Sinnes- und Bewegungserfahrungen zu verknüpfen. Und deshalb haben digitale Medien ihre Zeit. Erst müssen Kinder die reale Welt verstehen und die Welt angefasst haben. Dadurch bauen sie ihre eigene starke Innenwelt auf. Nur so können sie mündige Mediennutzer werden, die später selbstbestimmt ihre eigene Mediennutzung steuern können.

Noch einen Satz zu mir: ich liebe digitale Medien, bin nicht selten zu oft und zu lange in der digitalen Welt und freue mich schon riesig auf die ersten gemeinsamen Wimmel- und Spieleapp-Nachmittage mit beiden Kindern. Mit dem Tiger (*2013) spiele ich nun seit knapp einem Jahr verschiedene Apps. Lila (*2016) darf noch nicht. Aber dazu demnächst mehr …

Vorschau auf den zweiten Teil der Reihe Kinder und Medien

Im März folgt der zweite Teil der Reihe „Kinder und Medien“. Dann geht es um den Spracherwerb, die Entwicklung der Kreativität, das Aushalten von Langeweile und das Entwickeln der Frustrationstoleranz.

Mit dem Thema Kinder und Medien haben sich vor mir natürlich auch schon andere Blogger*innen befasst. Es gibt ja auch nicht die richtige Meinung, ist ja auch ein weites Feld 😉 Hier vier Leseempfehlungen:  familiert, mitkinderaugen, Zwillingswelten, Münstermama

Lieblingskind – darf ich ein Kind besonders lieben?

Kind Nummer 1

Wenn ich Familien auf dem Spielplatz oder beim Einkaufen beobachte, stelle ich immer wieder fest wie unterschiedlich Geschwister doch (meistens) sind. Da gibt es das mutige Mädchen, das auf das höchste Spielgerüst klettert; den schüchternen Jungen, der immer in der Nähe seiner Eltern bleibt; Geschwister, die stundenlang ohne Streitigkeiten zusammen im Sandkasten spielen und Geschwister, die ohne Mama oder Papa als Streitschlichter nicht einmal fünf Minuten zusammen im Fahrradanhänger sitzen können.

Dabei sind sie eng verwandt – enger geht es nur als eineiige Zwillinge – werden ähnlich erzogen und sind trotzdem (oft) so verschieden. Was, wenn uns der Sohn an eine Person erinnert, die wir absolut nicht ausstehen können oder wir die Wesensart der Tochter nicht mögen? Können wir überhaupt zwei Kinder mit derselben Inbrunst lieben? Können wir unsere Kinder gleichberechtig behandeln?

Was, wenn ich meine Tochter voll doof finde?

Während der ersten Schwangerschaft meiner Frau hatte ich viele Ängste. Wird alles gut gehen? Bekommen wir ein gesundes Kind? Wie werde ich als Vater sein? Schaffe ich das alles? Und, die Angst meine Tochter im Arm zu halten und sie nicht zu lieben. Was, wenn ich meine Tochter voll doof finde und die Chemie zwischen uns einfach nicht passt?

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne Mutter Natur gemacht. Dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, welches direkt nach der Geburt durch meinen ganzen Körper strömte, das war Vaterliebe pur. Wir hatten sofort eine besondere Verbindung. Weil meine Frau nach dem Kaiserschnitt noch im OP bleiben musste, bekam ich den Tiger auf meine Brust. Was für ein phantastisches Feuerwerk der Gefühle! Da lag sie, in Handtüchern gewickelt und innerhalb von Sekunden fand sie den Weg in mein Herz.

Zweieinhalb Jahre gab es nur uns. Meine Frau, den Tiger und mich. Hunderte besonderer Momente und Augenblicke: Das erste Lachen, die erste Drehung, der erste Zahn, … all diese besonderen Milestones im Leben unserer Tochter.

Die Angst kehrt zurück

In der zweiten Schwangerschaft kehrten die Ängste zurück. Und mit ihnen eine neue Befürchtung: Habe ich genug Liebe für zwei Kinder? Kann ich ein zweites Kind so lieben wie den Tiger? Und, was ist wenn ich das Kind plötzlich mehr liebe als meine Große?

Seit April 2016 sind wir zu viert. Und auch bei der Geburt von Lila hat mich Mutter Natur nicht im Stich gelassen. Kaum hatte ich meine Tochter zum ersten Mal erblickt, war die Liebe auch schon da. Aber wie ist es mit der Angst, ob ich zwei Kinder gleichberechtigt lieben kann? Empfinde ich wirklich für beide Töchter die gleichen Emotionen? Oder muss ich mir eingestehen, dass ich ein Lieblingskind habe?

Habe ich wirklich ein Lieblingskind?

Fakt ist, ich liebe beiden Töchter über alles. Den Tiger seit über 4,5 Jahren und Lila seit knapp zwei Jahren. Nach dieser Rechnung haben meine ältere Tochter und ich 2,5 Jahre Vorsprung, um eine feste Bindung aufzubauen. Empfinde ich deshalb mehr für sie? Oder hat sich Lila in meinem Herzen mehr ausgebreitet, weil sie noch so klein und niedlich ist und genau weiß, wie sie Papa anschauen muss?

Fakt ist auch, dass ich mit beiden Kindern unterschiedliche Erlebnisse und Gefühle verbinde. Erlebnisse, die meine Beziehung zu der jeweiligen Tochter prägen bzw. geprägt haben. So habe  ich mit dem Tiger alles zum ersten Mal erlebt. Dafür hatte ich bei Lila schon etwas Routine und konnte einige dieser Momente intensiver in mich aufsaugen.

Und nicht zu vergessen, beide haben ihren ganz eigenen Charakter. Einige Wesenszüge kommen mir bekannt vor 😉 einige sind mir völlig fremd.

Durch das Alter ergeben sich Unterschiede

Und trotzdem behaupte ich von mir, dass ich beide Kinder gleich behandele. Also meistens jedenfalls. Aber alleine durch das jeweilige Alter (auch wenn es „nur“ 2,5 Jahre sind) ergeben sich Unterschiede. Die sind nicht gravierend aber sie sind da. Beispielsweise erwarte ich von der Großen, dass sie den Wunsch, gemeinsam ein Buch anzuschauen, auch mal aufschieben kann bis ich Zeit für sie habe. Bei der Jüngeren reagiere ich in der Regel schneller, von ihr erwarte ich noch nicht, dass sie länger abwarten kann, bis ich Zeit für sie habe.

Oder ganz praktisch: der Tiger kann – wenn sie will – in wenigen Sekunden ihre Jacke anziehen. Wenn ich das von Lila erwarten würde, wäre es für sie aktuell eine Überforderung. Also ja, ich behandele meine Kinder unterschiedlich, was aber nicht heißt, dass ich für beide Kinder nicht die gleichen Gefühle habe. Meistens jedenfalls. Denn es gibt auch Momente, da spüre ich mehr Nähe zu einer meiner beiden Töchter.

Ja, ich habe ein Lieblingskind – manchmal

Wie das kommt? Oft sind es Verhaltensweisen von einem der Kinder, die über Tage anhalten und mich emotional anstrengen. Beispielsweise wenn eine der beiden auf meine Ansprache nicht reagiert bzw. genau das Gegenteil von dem macht, was ich gerade gesagt habe. Hält dieses Verhalten länger an, dann bin ich genervt. Und wenn dann die andere genau in dem Moment auf ein „Stop“ oder „bitte warten“ hört, ja dann habe ich – für eine kurze Zeit – ein Lieblingskind.

Und kennt nicht jede/r von uns, der/die mit einem oder mehreren Geschwistern aufgewachsen ist, das Gefühl den Lieblingskind-Pokal in den Händen zu halten oder eben leer auszugehen. Wenn sich beide Emotionen die Waage halten, dann ist meiner Meinung nach das Optimum erreicht. Eltern können nicht dauerhaft ihre Liebe, Anerkennung, Zeit, Aufmerksamkeit, usw. exakt 50 zu 50 verteilen.

Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn meine Kinder in 20 Jahren sagen: „Mama und Papa lieben uns von Herzen und ja, ab und an war ich das Lieblingskind und ja, ab und an war es meine Schwester.“

Nein sagen – warum es für Kinder so wichtig ist

Nein sagen - Grenzen setzen

„Auch! Auuuuuch!!!!!“  ruft Lila und rennt in die Küche. Dort bekommt ihre Schwester gerade ein Glas Orangensaft. „Nein, ich kann dir keinen Saft geben. Davon bekommst du einen wunden Popo. Du kannst gerne ein Glas Milch oder Wasser haben.“  Kaum habe ich den Satz ausgesprochen, liegt meine jüngste Tochter auch schon auf dem Boden, strampelt mit den Füßen und weint bittere Krokodilstränen.

Nein sagen ist gar nicht so leicht. Wir Eltern wünschen uns ja eine positive Beziehung zu unseren Kindern. Das Wort Nein ist für einen guten Kontakt nicht gerade förderlich. Es führt auch nicht zu einem Lächeln oder einem „Papa, du bist toll“. Vielmehr folgt dem Nein oft eine nervige Auseinandersetzung mit unseren Kindern.

Ganz anders sieht es aus wenn wir Ja sagen – dann sind wir der beste Papa bzw. die beste Mama der Welt. Logisch, dass uns das Ja im Vergleich zum Nein deutlich leichter von den Lippen geht bzw. einfacher erscheint. Ein paar Jahre später – spätestens im Grundschulalter – sind sie dann aber da: die Konflikte, die erst durch das Vermeiden vom Nein sagen entstanden sind.

Warum ist es so wichtig, unseren Kindern Grenzen zu setzen?

Babys sind nach der Geburt ausschließlich auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert. Das ist ganz normal und für die Kleinen überlebenswichtig. Daher ist es in den ersten Lebensmonaten absolut notwendig, dass wir Eltern unmittelbar, verlässlich und bedingungslos die Bedürfnisse unserer Kinder nach Nahrung, Liebe und Schutz befriedigen. Kein Baby der Welt kann, wenn es um 10 Uhr Hunger hat, bis zum Mittagessen um 12 Uhr warten.

Anders sieht es bei Kleinkindern um die zwei Jahre aus. Nach und nach müssen wir sie dabei unterstützen neben ihren eigenen Bedürfnissen auch die Bedürfnisse der Geschwister, von uns Eltern und anderen Menschen wahrzunehmen. Ab dem dritten Lebensjahr können sie lernen abzuwarten, das eigene Bedürfnis aufzuschieben. Wenn beispielsweise Mama der Schwester gerade ein Buch vorliest, Papa und Mama gerade miteinander sprechen oder Papa dabei ist, die Spülmaschine auszuräumen.

Auch müssen Kinder verinnerlichen, dass es gefährlich ist mit dem heißen Bügeleisen zu spielen, einfach auf die Straße zu laufen oder auf das Hochbett der großen Schwester zu klettern.

Kinder wollen uns Eltern und unser Handeln begreifen. Was ich damit meine? Sie wollen verstehen, wozu wir Eltern Ja und Nein sagen, was wir gut finden und was wir ablehnen. Wenn wir konsequent und verlässlich Grenzen setzen, werden unsere Handlungen und Reaktionen für sie vorhersehbar. Gleichzeitig übernehmen unsere Kinder durch unsere Wiederholungen nach und nach unsere Moralvorstellungen. Konsequent heißt hier nicht zwingend starr bei der einmal festgelegten Grenze zu bleiben. Genauso, wie unsere Kinder sich von Tag zu Tag weiterentwickeln, verändern auch wir ab und an unsere Einstellungen und Haltung.

Was brauchen unsere Kinder von uns?

Das Wichtigste ist, dass wir für unsere Kinder verlässlich, klar und vorhersehbar sind und bleiben. Kinder brauchen unsere Geduld, wenn sie insbesondere ab dem dritten Lebensjahr immer wieder Grenzen austesten; bestimmte Verhaltensweisen tagelang wiederholen und absolut davon überzeugt sind, alles (aber wirklich alles) ohne Mama und Papa zu schaffen. Ständiges Kritisieren und Meckern schon beim kleinsten unerwünschtem Verhalten ist wenig hilfreich.

Wir müssen unseren Kindern in dieser Entwicklungsphase auf der einen Seite die Freiräume bieten, in denen sie die Welt entdecken, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen und ihr Selbstbewusstsein stärken können. Auf der anderen Seite müssen wir ihnen an den Stellen Grenzen setzen, an denen ihre Bedürfnisse mit denen der Familie bzw. der Gemeinschaft kollidieren.

Zurück zu Lila, meiner auf dem Boden liegenden Tochter. Ich lasse sie noch einen Moment weinen, knie mich dann neben sie auf den Boden und sage: „Ich kann gut verstehen, dass du jetzt sauer bist. Aber ich bleibe dabei, du kannst gerne Milch oder Wasser haben. Aber erst musst du aufhören zu weinen.“ Es vergeht noch etwas Zeit, dann steht Lila auf, wischt sich die Tränen mit ihrem Pullover weg, zeigt auf ihren Becher und fragt: „Milch?“

Baby on Board – Eltern sein Paar bleiben

Eltern sein Paar bleiben

Worüber haben wir uns nicht alles vor der Geburt unserer ersten Tochter Gedanken gemacht: Wie wir die Elternzeit aufteilen wollen; wer welchen Teil der Hausarbeit übernimmt; welche Erziehungsvorstellungen wir haben; welche Wünsche und Ängste wir als werdende Eltern spüren usw. Ab dem Moment, als wir den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielten, waren wir im Kopf und Herzen bereits Eltern. Wir konnten es kaum abwarten endlich Mama und Papa zu sein.

Eltern sein und trotzdem Paar bleiben

Das ist jetzt knapp fünf Jahre her. Worüber wir uns damals wenig Gedanken gemacht haben, ist die Tatsache, dass wir seit der Geburt vom Tiger so gut wie immer Eltern, selten Paar und ganz wenig Einzelpersonen sind. Egal in welcher Situation, erst sind wir als Eltern gefragt, dann – wenn die Zeit dafür noch übrig bleibt – können wir auch Paar sein und die Zeitkrümel, die dann noch übrig sind, bleiben für jeden Einzelnen von uns. Mit der Geburt von Lila wurden diese Zeitfenster noch einmal deutlich enger.

Wie soll man das alles unter einen Hut bekommen? Geht das überhaupt? Ich finde ja. Mit ein paar Kompromissen, einer ordentliche Portion Verständnis für seinen Partner und etwas gegenseitiger Rücksichtnahme, gerade in den ersten Jahren.

Liebesbeziehung ist harte Arbeit

Liebe ist kein Bankkonto, das sich einfach so ohne eigenes Dazutun vermehrt (okay ich gebe zu, in heutigen Zeiten ein blödes Beispiel). Nein, eine funktionierende Paarbeziehung ist ein ständiger Entwicklungsprozess und hängt von der aktiven Mitwirkung beider Partner ab. Dauerhafte Beziehungen sind nicht selten harte Arbeit. Mit der Geburt des ersten Kindes ist es vorbei mit dem selbstbestimmten und spontanen Paarleben. Als Eltern hat man dann oft nur noch Augen und Ohren für die Belange der Kinder. Der Familienalltagsstress schlaucht und bringt viele Eltern an ihre Grenzen. Egal ob schlaflose Nächte, ständiges Kranksein in den ersten Lebensjahren oder Wutanfälle in der Trotzphase. Ausreichend Zeit für sich selbst und als Paar sieht anders aus.

Kein Wunder also, dass die Paarbeziehung dabei manchmal aus den Augen gerät und auch für Zweisamkeit kaum Zeit übrigbleibt. Dabei kann ohne körperliche Nähe keine Paarbeziehung auf Dauer überleben. Sex ist wichtig! Keine Frage! Aber auch die kleinen und größeren Momente körperlicher Nähe im Alltag.

Kleine Zeichen im Alltag:

Wir nutzen die kurzen Zeitfenster im Alltag: Eine Umarmung beim gemeinsamen Spaziergang, bevor wir die Kinder von der Kita abholen. Ein Kuss beim gemeinsamen Mittagessen in der Stadt oder ein Ankuscheln beim Latte Macciato auf dem Sofa, wenn die Kinder gerade in ihren Zimmern spielen. Einmal im Jahr fahren wir für ein Wochenende in ein Wellnesshotel und genießen super exklusive Paarzeit. Die Kinder machen dann Urlaub bei Oma und Opa.

Eltern sein Paar bleiben

Seit der ersten Schwangerschaft schreiben wir uns gegenseitig Postkarten. Das machen wir bis heute, auch wenn aus wöchentlich eher monatlich geworden ist. Die Postkarten kleben wir anschießend an eine Wand im Schlafzimmer. So sind sie weiterhin für uns präsent (und es sieht zusätzlich noch gut aus). Wenn man gerade keine Postkarten zur Hand hat, eine nette What´s App oder SMS tut´s auch.

Wir haben uns eine Paar-Lotterie gebastelt. Immer im Wechsel darf einer von uns beiden ein Los ziehen. Auf den Losen stehen Paar-Aktionen. Erst wenn das Los eingelöst ist darf neu gezogen werden.

Tipp: sich als Paar überlegen was die Partnerschaft ohne Kinder eigentlich ausgemacht hat.  Wenn es dann gelingt, 5 Prozent davon wieder aufleben zu lassen, dann ist ein großer Schritt in Richtung stabile Partnerschaft getan.

Gegenseitiges Verständnis:

Für die Person, die einen längeren Zeitraum komplett zu Hause bleibt oder in Teilzeit geht, ist der Alltag mit Kindern nicht immer einfach. Die berufliche Wertschätzung der Kollegen, vom Vorgesetzten oder der Kunden ist nicht zu unterschätzen. Ist man „nur noch“ zu Hause und für Kind und Kegel zuständig, fehlt oft genau diese Wertschätzung. Der vollberufstätige Elternteil hat dafür manchmal einfach kein Verständnis. Statt Aussagen wie: „Was hast du denn, du bist doch Zuhause und kannst dich ganz in Ruhe um die Kinder kümmern!“ wäre beispielsweise eher Fragen hilfreich: „Wie war dein Tag? Wie geht es dir in deiner Rolle als Mutter bzw. Vater? Was kann ich tun, damit es dir gut geht?“

Da wir unsere Elternzeiten aufgeteilt hatten (acht Monate meine Frau, sechs Monate ich) können wir uns beide in die jeweils andere Rolle hineinversetzten. Klassisches Beispiel: abends, nach einem langem Tag Kinderbetreuung in den eigenen vier Wänden drückt Elternteil A dem von der Arbeit nach Hause kommenden Elternteil B die Kinder in die Hand und sagt: „Bitte schön, endlich kommst du! Ich brauche dringend eine Pause!“. Elternteil B hatte aber selbst einen stressigen Arbeitstag und würde gerne für 10 Minuten eine Pause machen bevor er sich um die Kinder kümmert. „Schatz, ich hatte einen super stressigen Tag im Büro. Ich brauche jetzt dringend selber eine Pause.“ Meistens ist uns klar, dass jeder von uns eine Pause dringend vertragen könnte. Wir handeln dann aus, wer wann seine Pause bekommt. Meistens gelingt uns das 😉

Reden hilft:

Oft ist der Familienalltag so eingefahren, dass man nur noch nebeneinander her lebt. Man ist vielleicht ein top eingespieltes Elternpaar, das Liebespaar ist dabei aber auf der Strecke geblieben. Spätestens dann sollte man miteinander reden, erzählen wie es einem geht, seine Wünsche dem Partner mitteilen und fragen was seinem Gegenüber beschäftigt und wieder Nähe wagen.

Wir reden viel (was vermutlich nicht weiter verwunderlich ist bei einem Pädagogen und einer Lehrerin) und das nicht nur über unsere Kinder sondern auch bzw. gerade über uns und unser Leben. Hierbei geht es darum was uns bewegt, was uns freut, worüber wir uns geärgert haben oder was wir uns wünschen. Abends auf dem Sofa, tagsüber per Telefon oder am Wochenende z.B. auf der Spielplatzbank während unsere Kinder schaukeln.

Tipp: Vom Eltern-Alltag eine kurze Auszeit nehmen, sich als Paar gegenüber auf einen Stuhl setzen, sich fünf Minuten still in die Augen zu schauen oder in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen.

Abgrenzung von den Kindern:

Wer kennt das nicht: man sitzt als Paar abends gerade mal zwei Minuten gemeinsam auf dem Sofa und zack, hat sich eins oder alle Kinder zwischen Mama und Papa gesetzt.

Bei uns gibt es Familien- und Paarzeiten. Beispielsweise müssen unsere Kinder abends nach dem Sandmann ins Bett und unsere Paarzeit beginnt. Das sagen wir den beiden auch so. „Mama und Papa haben jetzt Erwachsenenzeit.“ Unsere Töchter haben dann im Wohnzimmer nichts mehr zu suchen. Meistens jedenfalls… 😉

Zeit für sich selbst:

Ich liebe meine Frau und bin gerne mit ihr zusammen. Sie und meine Kinder sind mein ein und alles. Trotzdem gibt es noch mich, den Rüdiger. Mich, mit meinen Hobbys und meinen Interessen. Die habe ich im ersten Lebensjahr vom Tiger so gut wie gar nicht mehr in den Blick genommen. Bevor ich Vater wurde war ich oft im Kino, habe Freunde getroffen und ziemlich viel Sport getrieben. Teilweise saß ich das ganze Wochenende im Rennradsattel. Im letzten Herbst habe ich mir eine Rennrad-Rolle gekauft. Wenn meine Kinder abends schlafen gehe ich mit dem Babyphone auf den Dachboden und trete fleißig in die Pedale. So bin ich zur Not für meine Kinder da, kann mich aber gleichzeitig wunderbar auspowern. Nur auf laute Musik muss ich leider verzichten.

Krisen gehören dazu:

Zum Schluss noch eins. Krisen gehören zu jeder Partnerschaft dazu, sie sind ganz normal und können, wenn sie gemeinsam überwunden werden, zu einer Weiterentwicklung des Paares führen.

Ich bin krank – wie erkläre ich das meinen Kindern?

Kindern erklären was Kranksein bedeutet

Seit ein paar Tagen liege ich flach. Mich hat es so richtig erwischt. Nichts lebensbedrohliches, „nur“ eine der vielen Herbstkrankheiten, die man so im Herbst bekommen kann. Die AU ist unterwegs ins Büro, meine Frau versorgt mich mit Medikamenten, Vitaminen und was ich sonst noch so brauche. Meine Schwiegermutter ist gekommen und kümmert sich morgens um die Kinder. Also alles geregelt.

Nur meine Kinder verstehen nicht, warum ihr Papa die ganze Zeit im Bett liegt. Kein Durchkitzeln morgens nach dem Aufwachen, keine Umarmung nach der Kita und auch kein Bilderbuch abends vor dem Schlafen auf Papas Schoß. Aber wie erkläre ich meinen Kleinen, dass ihr Papa krank ist? Ich habe ja keine roten Punkte auf dem Gesicht oder einen dicken Verband um den Arm. Noch viel schwieriger finde ich den Begriff ANSTECKEND zu erklären. „Nein, ich kann jetzt nicht mit euch kuscheln, ich bin krank und ansteckend!“ In den Augen meiner Kinder sehe ich nur Fragezeichen. „Papa, was ist ansteckend?“ fragt der Tiger sofort. „Kannst du mich jetzt nie mehr auf den Arm nehmen?“ Und Lila legt ihren Kopf auf meinen Bauch und streckt die Arme nach mir aus.

Ungeladene Gäste machen Papa krank

Ich schaue beide an, schüttele mit dem Kopf und erkläre: „Das ist nur für eine kurze Zeit. So lange bis die Müllabfuhr kommt. Dann kann ich euch wieder tragen, küssen und mit euch toben. Bei mir im Körper sind ganz kleine Gäste zu Besuch, die ich nicht eingeladen habe. Die machen mich schlapp und meinen Körper ganz warm. Deshalb habe ich jetzt auch Fieber und starke Halsschmerzen.“

„Und diese unsichtbaren Gäste in meinem Körper möchten auch gerne euch besuchen. Aber das dürfen die nicht! Deshalb kann ich euch jetzt nicht küssen oder auf den Arm nehmen. Die Viren, so heißen die Gäste, können nämlich nicht gut springen. Wenn wir weit genug voneinander entfernt sind, schaffen sie es nicht zu euch rüber zu hüpfen. Dann ärgern die sich und ihnen bleibt nichts anders übrig, als bei mir zu bleiben. Aber nicht mehr lange. Mama hat mir ja Tabletten gekauft. Die sind wie ein großes Müllauto und bringen alle Gäste in meinem Körper auf die Müllkippe. Und wenn sie alle gefunden haben bin ich wieder gesund und wir können wieder toben, spielen und uns umarmen. 🙂

Das Gespräch war am Dienstag. Und morgen kommt dann die echte Müllabfuhr. Dank Antibiotikum kann ich mein Versprechen halten und heute sogar den Artikel schreiben 😉

Väter, ran an die Kinderbücher

Papa liest Bilderbuch vor

Lesen ist weiblich! Den Eindruck können Jungen und Mädchen bekommen. Warum? Weil es in der Regel Frauen sind, die sich Zeit nehmen und mit Kindern lesen. Erst sind es die Mütter und Omas, dann in den Kitas die Erzieherinnen und auch später in der Grundschule sind es meist Lehrerinnen, die vorlesen. Männer tauchen im Bildungswesen oftmals erst ab der weiterführenden Schule auf. Dort wird Lesekompetenz aber vorausgesetzt und die Zeit des Vorlesens ist ab Klasse fünf vorbei. Deshalb: Väter, ran an die Kinderbücher!

Nur 8 Prozent der Väter lesen ihren Kindern alleine vor

Lesen Väter wirklich so selten ihren Kindern vor? Die Studie „Warum Väter nicht vorlesen“ der Stiftung Lesen wollte es 2009 (ja, ich weiß, es ist nicht die aktuellste Studie 😉 ) genauer wissen. Auf die Frage: „Wer liest am meisten vor?“ antworteten die 4 bis 9 Jährigen: 73% lesen die Mütter vor, bei 11% lesen beide Eltern gemeinsam vor, bei 8% lesen die Papas und bei 6% die Omas vor. Aber wieso machen sich die Väter beim Vorlesen so rar? Auch beim Vorlesen kristallisiert sich das alte Rollenbild heraus. Viele Männer sehen ihre Partnerinnen in der Verantwortung, mit den gemeinsamen Kindern zu lesen. Ein Teil der Väter hat das Gefühl für gemeinsame Lesemomente mit ihren Kindern keine Zeit zu haben. Sie unternehmen in ihren Zeitfenstern lieber andere Vater-Kind-Aktivitäten. Und dann spielt die eigene Freude am Lesen sicherlich auch eine Rolle. Wer selbst nicht gerne Bücher liest wird nicht vor Freude hier rufen, wenn die Kinder mit einem Buch um die Ecke kommen. Und dennoch, egal wie groß die Hürden auch sein mögen: Väter, sagt ja zum Vorlesen!

Lesen geht immer

Papa liest seinen Kindern vorSchon mit den Kleinsten können sich Väter Bilderbücher anschauen. Inzwischen gibt es eine Vielzahl „mein erstes Bilderbuch“ für Kinder ab einem Jahr. Egal ob aus Stoff, Pappe oder auf dem Tablet, zum Schieben, Blättern oder Wischen, Vorlesen gehört mit zu den einfachsten Vater-Kind-Aktionen überhaupt. Man braucht ein Buch oder Tablet und ein Sofa, Sessel oder Stuhl. Das war´s. Lesen ist absolut wetterunabhängig und super kostengünstig (wenn man einen Bibliotheksausweis besitzt).

Aber warum sollen Väter überhaupt vorlesen? Reicht es nicht wenn Mama oder Oma vorliest? Nein, das reicht nicht. Insbesonders für Väter von Söhnen gilt: Seid Lese-Vorbilder für eure Kinder. Dann bekommen Jungen nicht das Gefühl Lesen sei unmännlich. Im Idealfall bekommen sie so einen Zugang zum Lesen und werden später nicht von den Mädchen in der Lesekompetenz abgehängt. Wieso Lesen so wichtig ist? Kinder, denen Lesen leicht fällt, haben es während der Schullaufbahn, in der Ausbildung und/oder im Studium und später im Job in der Regel einfacher.

Und Vorlesen bedeutet für Väter einen doppelten Gewinn: Sie verbringen Zeit mit ihren Kindern und erfahren ganz nebenbei auch noch etwas vom Alltag ihrer Kinder, wie es ihnen geht, was sie gerade beschäftigt und worüber sie sich Gedanken machen.

Rituale sind hilfreich!

Papa liest Pixi Buch vorWie können Vorlesezeiten locker in den Alltag von Vätern und ihren Kindern integriert werden? Durch Rituale! Egal ob Papa abends vor dem Schlafengehen noch eine Gute-Nachtgeschichte oder am Wochenende morgens um sieben im Elternbett drei Pixibücher vorliest, feste Zeitpunkte sind hilfreich. Und ja, manchmal kann das Vorlesen auch ziemlich nervig sein. Nämlich dann, wenn Papa das Lieblingsbuch seit vier Wochen jeden Abend 3x hintereinander vorlesen soll. Und zwar Wort für Wort! Exakt so wie es ihm Buch steht. Ein neues Wort wird sofort zur Kenntnis genommen und abgestraft. Dann heißt es Augen zu und durch. Irgendwann geht selbst die größte Biene-Maja-Liebe mal zu Ende. Versprochen! Allerdings ist das Wort „Irgendwann“ gelegentlich ziemlich dehnbar 😉

Und Väter sollten sich gerade bei kleinen Kindern nicht wundern: Diese haben manchmal eine sehr unorthodoxe Art und Weise durch Bilderbücher zu blättern. Da muss nicht zwangsläufig auf  Seite 5 auch wirklich Seite 6 folgen. Warum nicht erst einmal zu Seite 15 bevor es zurück zu Seite 2 geht.

Wie steht es um meine eigene Freude am Vorlesen?

Lese ich meinen Kindern Bücher vor? Ja, so gut wie jeden Tag. Lese ich gerne vor? Seit drei Jahren lautet die Antwort: Ja! Das war aber nicht immer so. Bevor ich Vater wurde, habe ich kaum vorgelesen, weder in der Schule noch später meinen Patenkindern. Dabei lese ich seit meiner Jugend begeistert Krimis und Belletristik. Aber Vorlesen? 40 Jahre war meine Antwort: Nein danke! Das musste ich nach der Geburt vom Tiger erst üben. Heute macht mir Vorlesen Spaß. Die Begeisterung und Freude in den Augen meiner Kinder ist nicht zu übersehen und ich genieße den engen Kontakt mit meinen Mädels. Ich habe super Glück! Denn ich habe grandiose Zuhörerinnen 😉