Schlagwort: Medien

Kinderfotos im Netz

Kinderfotos im Netz

Schau-hin.info hat zur Blogparade „Kinderfotos im Netz“ aufgerufen. Ein Thema, mit dem ich mich privat als auch beruflich seit Jahren auseinandersetze. Die Frage, wieviel Kind zeige ich auf meinen Fotos, kennen vermutlich viele Familienblogger*innen. Ich persönlich bin kein Freund von Emojis, um Kindergesichter zu verdecken. Auch Verpixeln ist nicht so mein Ding. Ich habe mich dafür entschieden meine Kinder von der Seite oder von hinten zu zeigen.

Wie sich die Zeiten ändern – vom Paulus zum Saulus

Wer mich kennt wird eventuell irritiert sein. Noch vor zwei Jahren war ich strickt gegen jegliche Veröffentlichung von Kinderbildern. Damals habe ich kein einziges Kinderbild über Whats App an die Familie und Freunde verschickt. Zu dem Zeitpunkt war Whats App noch nicht verschlüsselt. Wer Bilder meiner Töchter sehen wollte, musste sich bei Threema anmelden. Und heute? Seit knapp 1,5 Jahren bin ich nun Familien- bzw. Papablogger. Mit den dazugehörigen Social-Media-Kanälen. Und dort gehört (für mich) das regelmäßige Posten von Bildern meiner Kinder und/oder mir dazu.

Warum poste ich überhaupt Bilder meiner Kinder?

Ich bin gerne Vater. Extrem gerne. Für mich heißt Vater sein nicht nur ab und an Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Ich möchte sie aktiv in ihrem Alltag begleiten, eine tragfähige Bindung zu ihnen aufbauen, für sie da sein, wenn sie mich brauchen und die Erziehungs- und Haushaltsaufgaben mit meiner Frau teilen. Auch wenn es mehr und mehr aktive Väter gibt, sind wir (nach meinem Gefühl) noch in der Minderheit. Ich möchte mit meinen Bildern und Blogbeiträgen aus Papa-Sicht zeigen, wie schön und lohnenswert die Vaterrolle ist.

Ich bin der festen Überzeugung: Väter können alles, außer stillen. Um mein Leben als Papa deutlich zu machen, braucht es Texte und Bilder. Alltagsbilder als Papa. Daher auch mein Name: Mannpluskind.de. Ohne Kind wäre ich „nur“ Mann. Vater bin ich erst seit dem Tag, an dem meine älteste Tochter das Licht der Welt erblickt hat.

Seitdem zeige ich Bilder aus meinem Alltag als Vater. Bilder von mir und meinen Kindern und auch nur Kinderbilder. Bilder die zeigen, wie wunderbar es ist, seine Kinder im Alltag zu begleiten. Deshalb zeige ich Kinderfotos im Netz.

Kind putzt Zähne mit Papa

Kinderfotos im Netz

Kinderfotos im Netz

Nein sagen - Grenzen setzen

Wir alle haben die gleichen Persönlichkeitsrechte

Ich bin Vorbild für meine Kinder, das ist mir sehr bewusst. Und ja, meine Kinder haben die gleichen Persönlichkeitsrechte wie meine Frau oder ich. Um meinen Kindern später zu zeigen, welche Bilder und Informationen ich von ihnen gepostet habe, gibt es für beide Kinder jeweils eine Erinnerungskiste. Jedes Bild, jedes Video, jeder TV-Beitrag oder jeder Zeitungsartikel, welcher/s veröffentlicht wird, kommt in die jeweilige Kiste. Wenn Lila und der Tiger alt genug sind, werde ich meinen Töchtern die Kisten geben. Wie sie auf meine Beiträge und Posts dann reagieren, kann ich heute noch nicht sagen. Ist aber auch egal, sie haben ein Recht zu wissen was ich über sie in der virtuellen als auch in der analogen Welt verbreitet habe.

Auf meinem Blog sind so gut wie keine Bilder von meinen Kindern zu sehen. Ganz anders sieht es in den sozialen Medien aus, insbesondere bei Instagram. Ich verstehe mich als Familienblogger und da „gehören“ Bilder von meinen Kindern und/oder von mir dazu. Das ist  jedenfalls meine Meinung. Aus allen Bildern, die ich bei Instagram poste, gestalte ich einmal im Jahr ein Fotoalbum. Die Alben kommen ebenfalls in die Erinnerungskisten meiner Töchter.

Was tue ich vor der Veröffentlichung?

Jedes Bild, auf dem meine Töchter irgendwie zu sehen sind, zeige ich vorher meiner Frau und meinen Kindern. Klar, Lila ist erst zwei und der Tiger erst 4,5 Jahre alt. Sie verstehen noch nicht, was es bedeutet, dass „ihre“ Bilder ins Netz gestellt werden. Dennoch haben sie eine Meinung. Der Tiger fand bislang zwei Bilder nicht schön. Die habe ich selbstverständlich auch nicht gepostet.

Ich nehme mir Zeit

Selten kommt es vor, dass ich fotografiere und das Bild direkt poste. Meistens sind die Bilder ein, zwei oder drei Tage alt. Bevor ich ein Bild poste überlege ich:

  • Wenn ich als Kind auf dem Foto wäre, würde ich die Veröffentlichung gut finden?
  • Wie stehen die Chancen, dass meine Kinder das Bild in ein paar Jahren peinlich, doof etc. finden?
  • Könnte der Text zum Bild für meine Kinder peinlich oder unangenehm sein bzw. werden?
  • Welche Aussage hat das Bild?
  • Verzichte ich auf personenbezogene Daten?

Umgang mit den Bildern meiner Kinder

Ich hoffe meine Kinder bekommen mit, dass ich nicht leichtfertig Bilder und Texte von ihnen poste und mich intensiv mit ihren Persönlichkeitsrechten beschäftige. Für den ein oder anderen mag mein Umgang mit den Persönlichkeitsrechten meiner Kinder nicht okay sein. Bei dem Thema wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Ich trage die Verantwortung für die Bilder, die von meinen Kindern im Netz zu finden sind. Und es ist und bleibt ein Spannungsfeld, in dem ich mich bewege. Man könnte auch von einem Drahtseilakt sprechen. Mir ist auch völlig klar, dass ich direkt nach dem Posten die Kontrolle über mein Bild verliere. Ob jemand das Bild speichert oder für andere Zwecke missbraucht kann ich nach der Veröffentlichung nicht mehr beeinflussen.

Gestern bin ich alle meine Bilder bei Instagram noch einmal durchgegangen. Immer mit der Frage: Wieviel Gesicht ist okay? Fünf Bilder habe ich daraufhin noch nachträglich gelöscht. Aber knapp vierhundert Bilder habe ich auch auf meinem Account belassen.

 

Gedanken zum Thema „Kinder unter drei und Medien“ findest du hier

Voll analog und doch nicht doof – Kinder und Medien Teil 1

Bunter Stapelturm umgefallen

In regelmäßigen Abständen liegen Prospekte mit Kinderspielzeug in unserem Briefkasten. Geht es nach der Spielzeugindustrie dann wünschen sich schon Babys einen Lerncomputer oder ein erstes Smartphone. Und die lieben Kleinen sollen ja nicht mit den Geräten daddeln oder so, nein sie fördern die kindliche Entwicklung und sind deshalb pädagogisch wertvoll! Behauptet jedenfalls die Werbeindustrie. Welche Eltern sagen da noch nein, wenn es doch um die optimale Förderung ihrer Kinder geht. Bloß nicht, dass die lieben Kleinen den Anschluss verpassen.

Aber ist das wirklich so? Brauchen schon Wickelkinder ein Tablet auf dem Schoß oder ein Smartphone in der Hand? Und was hat das Ganze mit uns Eltern zu tun? Darum geht es in meiner mehrteiligen Themenreihe Kinder und Medien, die heute startet.

Schön der Reihe nach!

Alle reden von Medienkompetenz. Kinder sollen und müssen eine eigene Handlungskompetenz im Umgang mit den digitalen Medien erlangen. Stimmt! Aber müssen Kinder unter drei unbedingt schon digitale Kompetenzen entwickeln? Nein! Für sie geht es eigentlich um etwas ganz anderes – um die Entwicklung ihrer eigenen „analogen“ Kompetenzen.

Beispiel: Wir Eltern füttern unsere neugeborenen Kinder nach der Geburt ja auch nicht gleich mit Chilli con Carne. Nein, natürlich nicht! Vielmehr werden unsere Kinder zu Beginn gestillt oder bekommen die Flasche. Erst nach Monaten oder gar Jahren wird ihr Verdauungssystem ganz behutsam an Gemüse, Obst, Fleisch und Gewürze gewöhnt.

Oder ein anderes Beispiel: Kein Mensch käme auf die Idee, seiner zweijährigen Tochter den Autoschlüssel in die Hand zu drücken, ihr beim Anschnallen zu helfen und der jungen Autofahrerin noch ein „Aber bitte nicht so schnell!“ hinterher zu rufen. Nein, vorher gibt es noch ein paar andere Fahrzeuge, mit denen Kindern die sichere Teilnahme am Straßenverkehr erlernen müssen.

Keine digitalen Medien unter Drei*

Was ich damit sagen will, in den ersten drei Lebensjahre brauchen Kinder noch keine digitalen Medien. Warum? Kinder müssen ganz in Ruhe eine Vielzahl sensomotorischer Erfahrungen sammeln, damit sie später das Tablet oder Smartphone „gesund“ nutzen können.

*Für mich gibt es ein paar Ausnahmen: wenn via Skype/Facetime Kontakt zu wichtigen Beziehungspersonen gehalten wird, wenn Familien gemeinsam Fotos anschauen und/oder wenn Eltern ihren Kindern E-Bilderbücher via Smartphone/Tablet vorlesen. Dann sage ich gerne  ja zu Bildschirmmedien unter Drei.

Fragt man übrigens Entwicklungspsychologen und Medienpädagogen, dann hört man ganz unterschiedliche Einschätzungen ab wann Kinder überhaupt digitale Medien nutzen sollten. Reden die Medienpädagogen vom sogenannten Kindergartenalter (ab drei Jahre), sprechen die führenden Entwicklungspsychologen von Mitte der Grundschule. Aber bei einer Aussage sind sie alle einer Meinung: keine digitalen Medien unter drei.

Die Wichtigkeit der sensomotorischen Entwicklung bei Kindern unter Drei

Zurück zu den senomotorischen Erfahrungen. Babys und Kleinkinder begreifen ihre Welt durch Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten und durch den Dreh-, Schwerkraft- und Eigenbewegungssinn.

Wie sich ein Waschlappen anfühlt, ein Holzstück schmeckt, ein Schafsfell riecht, welche Geräusche eine Rassel von sich gibt, alles vielfältige Sinneserfahrungen, die sich sofort im Gehirn nieder schlagen.

Das Gleiche gilt für Bewegungserfahrungen. Wenn ich meine Hand öffne, fällt der Inhalt einfach zu Boden, ich muss nichts weiter dafür tun. Oder wenn ich einen Gegenstand greifen möchte, der auf der anderen Seite des Raumes liegt, muss ich meinen Körper bewegen können, egal ob durch Robben, Rutschen, Krabbeln oder Laufen.

Das Material für diese Lernerfahrungen muss noch nicht mal pädagogisch wertvoll sein. Ob Schwamm, Klopapierrolle,  Tuperdose, Kochlöffel, Luftballon, Wollknäuel, Feder, Knisterpapier, Rasierschaum in der Badewanne oder Joghurtbecher, die man stapeln kann. Alles wunderbare Materialen zum Begreifen der Welt.

Nehmen wir mal den Rasierschaum in der Badewanne. Wie sich der Schaum anfühlt, so schön schmierig und glitschig, wie soll das ein Youtube-Video auf dem Smartphone oder Tablet simulieren? Keine Chance. Diese Sinneserfahrung kann man nicht digital erfahrbar machen (jedenfalls heute noch nicht 😉 ).

Aber genau Dank solcher Erlebnisse lernen Kinder die vielfältigen Sinnes- und Bewegungserfahrungen zu verknüpfen. Und deshalb haben digitale Medien ihre Zeit. Erst müssen Kinder die reale Welt verstehen und die Welt angefasst haben. Dadurch bauen sie ihre eigene starke Innenwelt auf. Nur so können sie mündige Mediennutzer werden, die später selbstbestimmt ihre eigene Mediennutzung steuern können.

Noch einen Satz zu mir: ich liebe digitale Medien, bin nicht selten zu oft und zu lange in der digitalen Welt und freue mich schon riesig auf die ersten gemeinsamen Wimmel- und Spieleapp-Nachmittage mit beiden Kindern. Mit dem Tiger (*2013) spiele ich nun seit knapp einem Jahr verschiedene Apps. Lila (*2016) darf noch nicht. Aber dazu demnächst mehr …

Vorschau auf den zweiten Teil der Reihe Kinder und Medien

Im März folgt der zweite Teil der Reihe „Kinder und Medien“. Dann geht es um den Spracherwerb, die Entwicklung der Kreativität, das Aushalten von Langeweile und das Entwickeln der Frustrationstoleranz.

Mit dem Thema Kinder und Medien haben sich vor mir natürlich auch schon andere Blogger*innen befasst. Es gibt ja auch nicht die richtige Meinung, ist ja auch ein weites Feld 😉 Hier vier Leseempfehlungen:  familiert, mitkinderaugen, Zwillingswelten, Münstermama